Potsdams Umstieg auf eine elektrische Busflotte muss neu organisiert werden. Die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH hat den Vertrag mit dem niederländischen Hersteller Ebusco B.V. über die Lieferung von 23 batterieelektrischen Bussen außerordentlich gekündigt. Ausschlaggebend waren anhaltende Lieferprobleme und das Fehlen eines belastbaren neuen Liefertermins.
Die Kündigung erfolgte nach Angaben des Verkehrsbetriebs zum 29. Juli 2026.
Eine neue Ausschreibung über ebenfalls 23 batterieelektrische Busse wird bereits vorbereitet.
Busse sollten eigentlich 2025 nach Potsdam kommen
Ebusco hatte Ende 2023 den Zuschlag für den Auftrag erhalten.
Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollten die ersten Solobusse im März 2025 geliefert werden.
Die Gelenkbusse sollten zwei Monate später, im Mai 2025, folgen.
Diese Termine wurden jedoch nicht eingehalten.
Liefertermine immer wieder verschoben
Nach Angaben der ViP verschob Ebusco die zugesagten Liefertermine mehrfach.
Zuletzt hätten sich die genannten Termine bis ins Frühjahr 2027 erstreckt.
Für den Potsdamer Verkehrsbetrieb war schließlich nicht mehr ausreichend gesichert, wann die Fahrzeuge tatsächlich geliefert werden könnten.
Ebusco habe die Einhaltung der jeweils neu benannten Termine nicht mehr glaubhaft versichern können, teilte die ViP mit.
Daraufhin entschied sich das Unternehmen zur außerordentlichen Kündigung.
Ebusco hatte 2023 wirtschaftlichstes Angebot
Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Ausschreibung war die Entscheidung zugunsten des niederländischen Herstellers nach Angaben der ViP nachvollziehbar.
Ebusco hatte das wirtschaftlichste Angebot abgegeben und konnte die im Leistungskatalog des Verkehrsbetriebs verlangten Kriterien erfüllen.
Erst im weiteren Verlauf entwickelten sich die Lieferprobleme.
Damit steht die ViP nun knapp drei Jahre nach der Vergabe wieder vor der Aufgabe, einen Lieferanten für die geplante Elektrobusflotte zu finden.
Elektrifizierung bleibt höchste Priorität
An den grundsätzlichen Plänen will der Verkehrsbetrieb trotz der gescheiterten Beschaffung festhalten.
Die Umstellung auf elektrische Antriebe und die Modernisierung der Busflotte hätten weiterhin höchste Priorität, erklärte die ViP.
Deshalb soll die neue Ausschreibung möglichst zeitnah veröffentlicht werden.
Lastenheft kann weitgehend übernommen werden
Ein Vorteil besteht darin, dass die technischen Anforderungen nicht vollständig neu entwickelt werden müssen.
Das Lastenheft für die kommende Ausschreibung soll sich an der bereits 2023 verwendeten Fassung orientieren.
Dadurch hofft die ViP, das neue Vergabeverfahren schneller vorbereiten zu können.
Gesucht werden erneut 23 batterieelektrische Busse.
Zeitverlust für die Flottenmodernisierung
Die Vertragskündigung bedeutet dennoch eine erhebliche Verzögerung.
Die ursprünglich vorgesehenen Fahrzeuge hätten bereits seit 2025 auf dem Potsdamer Betriebshof stehen sollen.
Selbst bei einer zügigen Neuausschreibung müssen nun Vergabeverfahren, Produktion und Lieferung eines neuen Herstellers erneut durchlaufen werden.
Wann die 23 Ersatzfahrzeuge tatsächlich in Potsdam eintreffen können, nennt die ViP in ihrer Mitteilung noch nicht.
E-Busse sind Teil der Verkehrswende
Elektrobusse sollen vor allem lokale Abgas- und Lärmemissionen reduzieren.
Für Verkehrsbetriebe bedeutet die Umstellung allerdings mehr als lediglich den Austausch von Dieselbussen gegen Fahrzeuge mit Batterie.
Auch Ladeinfrastruktur, Werkstätten, Einsatzplanung und Energieversorgung müssen an die neue Technik angepasst werden.
Lieferverzögerungen bei den Fahrzeugen können deshalb Auswirkungen auf einen deutlich größeren Modernisierungsplan haben.
Potsdamer ÖPNV steht ohnehin vor großen Aufgaben
Die Verkehrsbetriebe müssen in den kommenden Jahren gleichzeitig bestehende Netze betreiben und neue Stadtteile erschließen.
Besonders sichtbar ist das bei der geplanten Straßenbahnanbindung des neuen Stadtteils Krampnitz. Deren vollständiger Ausbau hat sich nach aktuellem Planungsstand bis 2035 verschoben.
Eine moderne und verlässliche Busflotte bleibt deshalb auch unabhängig vom Ausbau des Straßenbahnnetzes ein wichtiger Bestandteil des Potsdamer Nahverkehrs.
Neue Ausschreibung soll Alternative schaffen
Für die ViP beginnt nach der Kündigung nun ein neues Vergabeverfahren.
Das Unternehmen will möglichst schnell einen Anbieter finden, der die 23 Busse innerhalb eines belastbaren Zeitplans liefern kann.
Die technische Ausrichtung bleibt dabei unverändert: Potsdams Busverkehr soll schrittweise elektrischer werden.
Die gescheiterte Zusammenarbeit mit Ebusco ändert damit nicht das Ziel – wohl aber erneut den Zeitplan.
Quellen
ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH: Pressemitteilung „ViP Verkehrsbetrieb Potsdam kündigt Vertrag mit Ebusco wegen anhaltender Lieferschwierigkeiten von bestellten E-Bussen und bereitet Neuausschreibung vor“, 7. August 2026