Nach dem schweren Zusammenstoß zwischen einem Traktor und einer Dampflokomotive der Harzer Schmalspurbahnen dauern die Ermittlungen zur Unfallursache an. Der Unfall ereignete sich am Mittwoch an einem unbeschrankten Bahnübergang bei Benneckenstein im Oberharz.

Der 65-jährige Fahrer des Traktors wurde bei der Kollision schwer verletzt. Rettungskräfte brachten ihn mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei war sein Zustand am Freitag stabil. Der Lokführer und die Fahrgäste der Harzquerbahn blieben unverletzt.

Zusammenstoß an unbeschranktem Bahnübergang

Nach dem bislang bekannten Stand fuhr der Traktor mit einem Anhänger über einen nicht beschrankten Bahnübergang, als sich die Dampflokomotive näherte. Weshalb der Fahrer die Lok nicht rechtzeitig bemerkte oder den Übergang nicht mehr verlassen konnte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Die Polizei hat bislang keine abschließende Ursache genannt. Spekulationen über ein Fehlverhalten des Landwirts oder des Lokführers sind daher nicht angebracht.

Die Lok erfasste den Traktor im Bereich des Bahnübergangs. Durch die Wucht des Zusammenstoßes wurden beide Fahrzeuge schwer beschädigt und waren anschließend nicht mehr fahrbereit.

Traktor und Lok schwer beschädigt

Nach Angaben des Polizeireviers Harz entstand an der Dampflokomotive ein geschätzter Schaden von rund 50.000 Euro. Der Schaden am Traktor und dessen Anhänger wurde auf insgesamt etwa 250.000 Euro beziffert.

Damit beläuft sich der bislang geschätzte Sachschaden auf ungefähr 300.000 Euro. Die tatsächliche Summe kann nach der technischen Begutachtung noch abweichen.

Die Lokomotive wurde vor allem im Frontbereich beschädigt. Auch der Traktor und sein Anhänger mussten nach dem Unfall geborgen werden.

Fahrgäste wurden aus dem Zug gebracht

Insgesamt waren 53 Angehörige umliegender Freiwilliger Feuerwehren im Einsatz. Sie sicherten die Unfallstelle, unterstützten die Rettung des Traktorfahrers und brachten die Fahrgäste aus dem Zug.

Ein Feuerwehrmann verletzte sich während der Aufräumarbeiten leicht an der Hand. Weitere Verletzte unter den Einsatzkräften oder Reisenden wurden nicht gemeldet.

Bahnverkehr zeitweise beeinträchtigt

Der Unfall betraf die Harzquerbahn, die zu den Harzer Schmalspurbahnen gehört und Nordhausen mit Wernigerode verbindet. Benneckenstein liegt an der wichtigen touristischen Strecke durch den Oberharz.

Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten war der betroffene Streckenabschnitt nicht befahrbar. Fahrgäste mussten mit Einschränkungen rechnen. Wann der reguläre Betrieb nach dem Unfall vollständig wieder aufgenommen wurde, ging aus den ersten Berichten nicht eindeutig hervor.

Für die Harzer Schmalspurbahnen ist der Unfall nicht nur wegen des beschädigten Fahrzeugs von Bedeutung. Die historischen Dampflokomotiven sind aufwendig zu warten und bilden einen zentralen Bestandteil des touristischen Angebots der Region.

Polizei untersucht den genauen Ablauf

Die Ermittler müssen nun klären, wie es zu dem Zusammenstoß kommen konnte. Dazu gehören unter anderem Fragen nach:

  • der Sichtweite am Bahnübergang,
  • der Geschwindigkeit von Lok und Traktor,
  • möglichen akustischen oder optischen Warnsignalen,
  • der technischen Funktion des Traktors,
  • der Gestaltung und Sicherung des Übergangs.

Bis zum Abschluss der Untersuchungen gilt, dass weder dem Traktorfahrer noch dem Lokführer ein Fehlverhalten unterstellt werden darf.

Unbeschrankte Übergänge bleiben gefährlich

Unbeschrankte Bahnübergänge erfordern besondere Aufmerksamkeit. Straßenverkehrsteilnehmer müssen sich vergewissern, dass sich kein Zug nähert. Anders als Autos können Lokomotiven wegen ihres Gewichts und ihres langen Bremsweges nicht kurzfristig anhalten oder ausweichen.

Gerade in ländlichen und landwirtschaftlich genutzten Gebieten können große Fahrzeuge mit Anhängern mehr Zeit benötigen, um einen Bahnübergang vollständig zu räumen. Auch eingeschränkte Sicht durch Vegetation, Gelände oder Bauwerke kann das Risiko erhöhen.

Ob solche Umstände in Benneckenstein eine Rolle spielten, ist bislang nicht geklärt.

Schwerverletzter Fahrer weiterhin im Krankenhaus

Der 65-Jährige befand sich nach dem jüngsten veröffentlichten Stand weiterhin mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Sein Zustand wurde von der Polizei als stabil bezeichnet.

Weitere Einzelheiten zu seinen Verletzungen wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekannt gegeben. Die Ermittlungen zum Unfall dauern an.