Wie gesund sind kleine Fließgewässer – und was lässt sich direkt vor Ort messen? Diese Fragen stehen am Freitag, dem 14. August 2026, an der Gera in Erfurt im Mittelpunkt. Bundesumweltminister Carsten Schneider beteiligt sich dort gemeinsam mit Forschenden, Anglern und Bürgerwissenschaftlern an einer Gewässerbeprobung. Untersucht werden unter anderem die Wasserchemie und die Gemeinschaft der am Gewässergrund lebenden Tiere.

Gewässerprobe beginnt am Morgen an der Gera

Der Pressetermin ist für Freitag von 8.45 bis 10.15 Uhr angesetzt. Treffpunkt ist an der Gera beim „Ausruhlokal Nüßle“ am Krautland 1 in Erfurt.

Nach einer kurzen Begrüßung ist zunächst ein Austausch mit dem Deutschen Angelfischerverband und dem Sportfischerverein Bischleben über die Gera und ihre Renaturierung vorgesehen.

Anschließend wird das Citizen-Science-Projekt FLOW vorgestellt. Dabei sollen auch bisherige Ergebnisse der Untersuchungen erläutert werden.

Um 9.10 Uhr beginnt die eigentliche Gewässerbeprobung mit Bundesumweltminister Carsten Schneider.

Wasserchemie und Kleintiere werden untersucht

Bei der Beprobung steht nicht nur die chemische Qualität des Wassers im Mittelpunkt.

Untersucht wird auch das sogenannte Makrozoobenthos. Damit sind wirbellose Tiere gemeint, die am oder im Gewässergrund leben.

Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise verschiedene Insektenlarven, Krebstiere, Schnecken und Würmer.

Ihre Zusammensetzung kann wichtige Hinweise auf den ökologischen Zustand eines Gewässers liefern. Bestimmte Arten reagieren empfindlich auf Belastungen, während andere auch unter ungünstigeren Bedingungen vorkommen.

Die Untersuchung der Tiergemeinschaft ergänzt deshalb die Messung chemischer Parameter und ermöglicht eine umfassendere Bewertung eines Fließgewässers.

Kleine Bäche machen zwei Drittel des Fließgewässernetzes aus

Das Projekt FLOW richtet seinen Blick besonders auf kleinere Bäche.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen machen kleine Bäche etwa zwei Drittel des deutschen Fließgewässernetzes aus.

Im regulären Monitoring zur Europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden diese Gewässer bislang jedoch nicht ausreichend erfasst.

Gerade deshalb sollen Freiwillige dazu beitragen, zusätzliche Daten zu sammeln.

Das Projekt verbindet damit wissenschaftliche Methoden mit dem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern.

Rund 1.500 Freiwillige beteiligten sich

Zwischen 2021 und 2025 waren nach Angaben des Projektes rund 1.500 Freiwillige beteiligt.

Sie arbeiteten in 175 regionalen Gruppen und untersuchten mehr als 400 Probestellen.

Die Teilnehmer erfassten den Zustand der Gewässer nach einheitlichen Methoden und lieferten damit Daten aus Regionen, die durch reguläre Messnetze nicht immer ausreichend abgedeckt werden.

Die Auswertung zeigt deutliche Probleme.

Etwa 60 Prozent der untersuchten landwirtschaftlich geprägten Bäche verfehlten nach den Projektergebnissen einen guten ökologischen Zustand.

Gewässerstruktur bei vielen Bächen deutlich verändert

Auch die Struktur der untersuchten Gewässer erwies sich häufig als problematisch.

Bei 65 Prozent der untersuchten Bäche war die Gewässerstruktur laut FLOW deutlich bis stark verändert.

Solche Veränderungen können beispielsweise durch Begradigungen, befestigte Ufer, fehlende natürliche Strukturen oder intensive Nutzung der angrenzenden Flächen entstehen.

Für Pflanzen und Tiere können dadurch wichtige Lebensräume verloren gehen.

Renaturierungsmaßnahmen sollen deshalb dazu beitragen, Fließgewässer wieder vielfältiger und naturnäher zu gestalten.

Auch über die Renaturierung der Gera soll beim Termin in Erfurt gesprochen werden.

Wissenschaft und Ehrenamt arbeiten zusammen

Ein Schwerpunkt des Treffens ist die Frage, welche Rolle Citizen Science beim Gewässerschutz spielen kann.

Dabei arbeiten Wissenschaftler mit Menschen zusammen, die sich freiwillig an Datenerhebungen beteiligen.

Das bietet die Möglichkeit, deutlich mehr Standorte zu untersuchen, als es wissenschaftliche Einrichtungen allein leisten könnten.

Gleichzeitig müssen Methoden so gestaltet sein, dass die gewonnenen Daten vergleichbar und wissenschaftlich nutzbar bleiben.

Über diese Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Verbänden und engagierten Bürgern soll ab 9.45 Uhr diskutiert werden.

FLOW läuft noch bis Februar 2027

Das Projekt FLOW wird bis Februar 2027 gefördert.

Die Unterstützung kommt vom Bundesamt für Naturschutz und vom Nationalen Monitoringzentrum zur Biodiversität.

Projektpartner ist der Deutsche Angelfischerverband.

Die wissenschaftliche Koordination liegt beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Damit verbindet das Projekt Forschungseinrichtungen, Verbände und Ehrenamtliche aus verschiedenen Regionen Deutschlands.

Erfurter Termin endet mit Pressefoto

Nach der gemeinsamen Gewässeruntersuchung ist gegen 10 Uhr ein Pressefoto vorgesehen.

Der Termin soll um 10.15 Uhr enden.

Für Erfurt bringt die Veranstaltung die bundesweite Debatte über den Zustand kleiner Fließgewässer direkt an die Gera.

Die Untersuchung vor Ort soll dabei zeigen, wie sich wissenschaftliche Methoden und Bürgerforschung praktisch miteinander verbinden lassen.

Quellen

Presseinformation zum Termin von Bundesumweltminister Carsten Schneider an der Gera in Erfurt

Citizen-Science-Projekt FLOW

Bundesamt für Naturschutz

Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung

Friedrich-Schiller-Universität Jena