Das neue Modell gilt ab dem Wintersemester 2026/27 für alle Studienanfänger. Bereits eingeschriebene Studierende beenden ihre Ausbildung grundsätzlich nach den bisherigen Regelungen. Grundlage ist das 2025 beschlossene Lehrkräftebildungsgesetz.

Vier statt drei Praxisphasen

Künftig absolvieren Lehramtsstudierende vier Praxisphasen an Schulen. Bislang waren drei verpflichtende Abschnitte vorgesehen.

Dadurch sollen angehende Lehrer früher erfahren, wie Unterricht, Klassenführung und Zusammenarbeit im Kollegium tatsächlich funktionieren. Gleichzeitig können sie rechtzeitig prüfen, ob der Beruf ihren Erwartungen entspricht.

Fehlender Praxis- und Berufsfeldbezug gehört nach einer Studie mit Studierenden der Universitäten Rostock und Greifswald zu den wichtigsten Gründen für Zweifel am Studium und mögliche Abbrüche.

Schulform wird später festgelegt

Das Lehramt für Gymnasien und das Lehramt für Regionale Schulen werden zunächst zusammengeführt. Studierende müssen sich damit nicht mehr bereits zu Beginn endgültig für eine der beiden Schulformen entscheiden.

Die spätere Spezialisierung soll mehr Flexibilität ermöglichen und Fehlentscheidungen reduzieren. Gleichzeitig müssen die Hochschulen sicherstellen, dass die unterschiedlichen Anforderungen beider Schularten ausreichend berücksichtigt werden.

Pädagogik und Digitalisierung erhalten mehr Gewicht

Neben den fachwissenschaftlichen Inhalten sollen Pädagogik, Inklusion, Demokratiebildung und Digitalisierung stärker in das Studium einbezogen werden.

Dafür wird der Anteil besonders spezialisierter Fachinhalte etwas reduziert. Die Reform folgt der Überlegung, dass Lehrer nicht nur Experten für einzelne Unterrichtsfächer sein müssen. Sie benötigen ebenso Kenntnisse über Lernprozesse, Konfliktbewältigung und den Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen in einer Klasse.

Rund 600 Lehrer gehen jährlich in den Ruhestand

Der Handlungsdruck ist groß. In Mecklenburg-Vorpommern scheiden durchschnittlich etwa 600 Lehrkräfte pro Jahr altersbedingt aus dem Schuldienst aus.

Gleichzeitig beenden lediglich ungefähr 500 bis 600 Studierende jährlich ihr Lehramtsstudium. Danach folgt noch der Vorbereitungsdienst. Im Jahr 2025 schlossen rund 400 angehende Lehrer das Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen ab.

Diese Zahlen zeigen, dass allein eine Reform des Studiums den Personalmangel nicht kurzfristig lösen kann. Zwischen Studienbeginn und vollständiger Ausbildung liegen mehrere Jahre.

Erfolg wird sich erst langfristig zeigen

Die neuen Studiengänge können den Beruf praxisnäher und attraktiver machen. Entscheidend ist jedoch, ob weniger Studierende abbrechen und später tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern unterrichten.

Auch Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Schulstandorte und die Belastung im Berufsalltag beeinflussen, ob ausgebildete Lehrkräfte dauerhaft im Land bleiben.

Die Reform ist deshalb ein wichtiger Baustein, aber keine alleinige Lösung für den Lehrermangel.

Quellen


– Land Mecklenburg-Vorpommern: Lehrkräftebildungsgesetz und Neustrukturierung der Lehramtsstudiengänge
– Universitäten Rostock und Greifswald: Umsetzung der neuen Studienmodelle zum Wintersemester 2026/27