Die FASD-Beratungsstelle der Rostocker Stadtmission erhält rund 100.000 Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Gesundheitsministerin Stefanie Drese übergab den Förderbescheid bei einem Besuch der Einrichtung. Mit dem Geld soll die Arbeit der Fachstelle auch in den Jahren 2026 und 2027 abgesichert werden. Die Beratungsstelle unterstützt Menschen mit fetalen Alkoholspektrum-Störungen, Angehörige sowie Fachkräfte aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. 184 - 0708.pdfPDF
Bis zu 10.000 betroffene Kinder pro Jahr
Nach Angaben des Ministeriums werden in Deutschland Schätzungen zufolge jedes Jahr bis zu 10.000 Kinder mit Entwicklungsstörungen geboren, die auf Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zurückgeführt werden.
Die sogenannte fetale Alkoholspektrum-Störung, kurz FASD, gilt damit als häufigste nicht-genetisch bedingte Behinderung.
Die Auswirkungen können sehr unterschiedlich sein. Betroffene können unter körperlichen, geistigen und sozialen Beeinträchtigungen leiden und teilweise ein Leben lang auf individuelle Unterstützung angewiesen sein.
Gesundheitsministerin Stefanie Drese betont deshalb die Bedeutung von Prävention und Aufklärung.
Beratungsstelle ist Anlaufpunkt für ganz Mecklenburg-Vorpommern
Die Rostocker Fachstelle richtet sich nicht nur an direkt Betroffene.
Auch Eltern, Pflege- und Adoptivfamilien sowie Fachkräfte können sich dort beraten lassen. Unterstützt wird unter anderem bei familiären Herausforderungen oder bei der Suche nach geeigneten pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Hilfen.
Nach Einschätzung des Ministeriums nimmt die Einrichtung damit eine zentrale Funktion für Mecklenburg-Vorpommern ein.
Gerade weil FASD Betroffene häufig dauerhaft begleitet, sei eine verlässliche und fachkundige Beratung besonders wichtig.
Beratung auch telefonisch und digital möglich
Die Rostocker Fachstelle setzt nicht ausschließlich auf persönliche Gespräche vor Ort.
Beratungen sind nach Angaben des Ministeriums auch telefonisch, per Chat, Videokonferenz oder E-Mail möglich.
Damit können Menschen aus anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns die Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen, ohne für jedes Gespräch nach Rostock fahren zu müssen.
Gerade für Familien mit hohem Betreuungsaufwand kann ein solches niedrigschwelliges Angebot eine wichtige Entlastung darstellen.
Aufklärung über Risiken bleibt zentrale Aufgabe
Neben der individuellen Beratung gehört auch Öffentlichkeitsarbeit zum Aufgabenbereich der Fachstelle.
Das Ministerium sieht darin einen wichtigen Beitrag, weil FASD in der Bevölkerung noch vergleichsweise wenig bekannt sei.
Drese verweist darauf, dass weiterhin Frauen auch während der Schwangerschaft Alkohol konsumieren. Nach den in der Pressemitteilung genannten Zahlen betrifft dies rund 20 Prozent.
Knapp acht Prozent konsumieren demnach sogar Mengen, die bereits für nichtschwangere Frauen als riskant eingestuft werden.
Kein sicherer Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
Das Ministerium betont, dass es während einer Schwangerschaft keine verlässliche Grenze für einen sicheren Alkoholkonsum gibt.
Alkohol kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und irreversible Schäden verursachen.
Dabei können unterschiedliche Gründe hinter dem Konsum stehen. Teilweise fehlt Wissen über die Risiken, in anderen Fällen spielen bestehende Abhängigkeitserkrankungen eine Rolle.
Aus Sicht der Gesundheitsministerin muss deshalb stärker darüber aufgeklärt werden, dass vollständiger Alkoholverzicht während der Schwangerschaft die sicherste Entscheidung ist.
Hilfe soll möglichst früh beginnen
Das Ministerium verbindet die Aufklärung ausdrücklich mit dem Hinweis auf vorhandene Hilfsangebote.
Frauen, die Schwierigkeiten haben, während einer Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten, können sich an Sucht- und Schwangerschaftsberatungsstellen wenden.
Eine Beratung ist nach Angaben des Ministeriums teilweise auch anonym möglich.
Drese stellt dabei klar, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehen solle. Ziel sei vielmehr, möglichst früh Unterstützung anzubieten und dadurch gesundheitliche Schäden für Kinder zu verhindern.
Fachstelle unterstützt auch nach der Diagnose
Die Arbeit endet nicht bei der Prävention.
Ist bei einem Kind oder Erwachsenen bereits FASD diagnostiziert worden, stellen sich für Familien häufig zahlreiche praktische Fragen.
Dazu können passende Therapien, schulische Unterstützung, Betreuung, Wohnen oder der Umgang mit alltäglichen Belastungssituationen gehören.
Hier soll die Fachstelle Orientierung geben und bei der Suche nach geeigneten Angeboten unterstützen.
Für Pflege- und Adoptivfamilien ist dies besonders relevant, weil FASD nicht immer unmittelbar erkannt wird und Verhaltensauffälligkeiten zunächst andere Ursachen vermuten lassen können.
Förderung sichert Arbeit für zwei weitere Jahre
Mit dem Zuwendungsbescheid über rund 100.000 Euro soll die Arbeit der Einrichtung auch für 2026 und 2027 abgesichert werden.
Damit erhält die Rostocker Stadtmission Planungssicherheit für ihre Beratungsangebote.
Aus Sicht des Landes erfüllt die Einrichtung dabei zwei Aufgaben gleichzeitig: Sie unterstützt Menschen, die bereits mit den Folgen von FASD leben, und trägt dazu bei, neue Fälle durch bessere Aufklärung möglichst zu verhindern.
Gerade diese Verbindung aus Prävention und konkreter Hilfe macht die Fachstelle zu einem wichtigen Bestandteil der Gesundheits- und Sozialberatung in Mecklenburg-Vorpommern.
Quellen
Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern – Pressemitteilung Nr. 184 vom 7. August 2026 „Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft: Drese überreicht Fördermittel in Höhe von 100.000 Euro an FASD-Fachstelle“