Eine historische Wandmalerei im Zwischengeschoss des Freiberger Rathauses wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Zwei Studierende der Fachhochschule Potsdam widmen ihre Bachelorarbeiten der Frage, aus welcher Zeit die Malereien stammen, wie stark die erhaltene Substanz geschädigt ist und welche Möglichkeiten es für ihre künftige Bewahrung gibt. Die Ergebnisse werden am Freitag, dem 28. August 2026, um 10 Uhr öffentlich im Ratssitzungszimmer des Rathauses vorgestellt.

Historische Malerei blieb lange unbeachtet

Die Malereien befinden sich im Zwischengeschoss des Freiberger Rathauses und rückten erst vergleichsweise spät in den Fokus.

Erhalten sind unter anderem Reste aufgemalter Architekturelemente. Dazu gehören Gesimse und Bogenfriese, die darauf hindeuten, dass die Wandgestaltung ursprünglich Teil eines größeren dekorativen Konzeptes gewesen sein könnte.

Wie alt die Malerei tatsächlich ist, steht bislang nicht abschließend fest.

Genau diese Frage bildet einen Schwerpunkt der aktuellen Untersuchungen.

Renaissance, Barock oder doch jünger?

Die Studierenden gehen der Frage nach, welcher Epoche die Wandmalerei zugeordnet werden kann.

In Betracht kommen nach der bisherigen Aufgabenstellung unter anderem Renaissance und Barock. Möglich ist allerdings auch, dass die Gestaltung aus einer späteren Zeit stammt.

Für eine belastbare Einordnung müssen unterschiedliche Merkmale untersucht werden. Dazu gehören die verwendeten Materialien, der Aufbau der Malschichten, stilistische Details und mögliche Veränderungen aus späteren Bauphasen.

Gerade in historischen Rathäusern wurden Räume über Jahrhunderte hinweg immer wieder umgebaut, überfasst oder neu gestaltet. Dadurch können ältere Schichten verdeckt oder nur fragmentarisch erhalten geblieben sein.

Zustand der Malerei wird genau dokumentiert

Neben der zeitlichen Einordnung spielt der Erhaltungszustand eine zentrale Rolle.

Die angehenden Restauratorinnen untersuchen vorhandene Schäden an der historischen Substanz.

Dabei geht es nicht nur um sichtbare Verluste. Auch Risse, Ablösungen, frühere Überarbeitungen oder Veränderungen im Putz können für die Bewertung wichtig sein.

Eine sorgfältige Zustandsanalyse bildet die Grundlage dafür, spätere Restaurierungs- oder Sicherungsmaßnahmen überhaupt planen zu können.

Ziel ist deshalb nicht nur, mehr über die Vergangenheit der Malerei herauszufinden, sondern auch Grundlagen für ihren künftigen Umgang zu schaffen.

Bachelorarbeiten verbinden Forschung und Denkmalpflege

Die Untersuchungen entstehen im Studiengang Konservierung und Restaurierung der Fachhochschule Potsdam.

Damit handelt es sich nicht um eine rein kunsthistorische Betrachtung.

Restaurierungswissenschaft verbindet historische Forschung mit naturwissenschaftlichen und handwerklich-technischen Methoden. Untersucht wird also sowohl die Bedeutung eines Objekts als auch seine materielle Beschaffenheit.

Gerade bei Wandmalereien ist diese Verbindung wichtig, weil sich Stil, Material und baulicher Untergrund gegenseitig beeinflussen.

Die beiden Bachelorarbeiten können damit sowohl zur wissenschaftlichen Einordnung als auch zur praktischen Denkmalpflege beitragen.

Öffentliche Verteidigung am 28. August

Die Ergebnisse sollen nicht nur innerhalb der Hochschule präsentiert werden.

Die öffentliche Verteidigung der Bachelorarbeiten findet am Freitag, dem 28. August 2026, um 10 Uhr im Ratssitzungszimmer des Freiberger Rathauses statt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können daran teilnehmen.

Die Stadt richtet die Einladung ausdrücklich auch an Menschen, die sich für Geschichte und Denkmalpflege interessieren.

Damit erhalten Besucher die Möglichkeit, Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit direkt am historischen Ort zu bekommen.

Rathaus wird selbst zum Forschungsobjekt

Für Freiberg ist das Projekt auch deshalb besonders, weil das Rathaus nicht nur Verwaltungsgebäude, sondern selbst Teil der Stadtgeschichte ist.

Historische Rathäuser wurden über Jahrhunderte verändert und erweitert. Oft verbergen sich unter späteren Schichten ältere Ausstattungen, die erst bei Bauarbeiten oder Restaurierungen wieder sichtbar werden.

Die entdeckte Wandmalerei ist ein Beispiel dafür, wie bauliche Details neue Fragen zur Nutzung und Gestaltung eines historischen Gebäudes aufwerfen können.

Je genauer die Malerei datiert werden kann, desto besser lässt sich möglicherweise auch nachvollziehen, wann und in welchem Zusammenhang der betreffende Raum gestaltet wurde.

Forschung soll Grundlage für den weiteren Umgang liefern

Mit Abschluss der Arbeiten dürfte vor allem die Frage interessant werden, wie mit den Malereien künftig verfahren werden soll.

Eine Restaurierung ist nicht automatisch das Ziel jeder Untersuchung. Häufig steht zunächst die Sicherung der vorhandenen Substanz im Vordergrund.

Auch eine bewusste konservatorische Zurückhaltung kann sinnvoll sein, wenn dadurch historische Spuren besser erhalten bleiben.

Welche Empfehlungen die beiden Arbeiten konkret enthalten, wird sich bei der öffentlichen Präsentation zeigen.

Bis dahin bleibt insbesondere die Datierungsfrage offen.

Quellen

Stadt Freiberg – Presseinformation zur historischen Wandmalerei im Rathaus und zur öffentlichen Verteidigung der Bachelorarbeiten am 28. August 2026

Fachhochschule Potsdam – Studiengang Konservierung und Restaurierung