Thüringens Schulen greifen bei der Suche nach Personal immer stärker auf Bewerber ohne klassisches Lehramtsstudium zurück. Nach aktuellen Zahlen liegt der Anteil der Seiteneinsteiger unter den neu eingestellten Lehrkräften inzwischen bei 29 Prozent. Gleichzeitig sind weiterhin 466 Lehrerstellen unbesetzt.

Seiteneinstieg wird vom Sonderfall zum wichtigen Personalweg

Seiteneinsteiger verfügen in der Regel über einen Hochschulabschluss in einem Fachgebiet, haben aber kein reguläres Lehramtsstudium absolviert.

Sie werden deshalb pädagogisch nachqualifiziert und direkt oder schrittweise auf den Unterricht vorbereitet.

Der inzwischen erreichte Anteil von nahezu einem Drittel zeigt, wie stark Thüringen auf diesen Weg angewiesen ist.

466 Stellen bleiben trotzdem offen

Trotz der zusätzlichen Bewerber gelingt es weiterhin nicht, sämtliche ausgeschriebenen Stellen zu besetzen.

Besonders schwierig ist die Lage häufig an Schulen außerhalb der großen Hochschulstädte sowie in bestimmten Mangelfächern.

Das Problem betrifft damit längst nicht allein einzelne Schulen, sondern die gesamte Personalplanung des Freistaats.

Qualität der Ausbildung wird zur politischen Frage

Die wachsende Zahl der Seiteneinsteiger löst regelmäßig Debatten aus.

Befürworter sehen darin eine notwendige Möglichkeit, Fachkräfte aus anderen Berufsfeldern für Schulen zu gewinnen.

Kritiker verlangen gleichzeitig ausreichend Zeit und Personal für pädagogische Nachqualifizierung und Begleitung.

Für die Landespolitik bleibt damit die zentrale Frage: Wie kann Thüringen kurzfristig Unterricht absichern, ohne langfristig bei der Lehrerqualifikation Abstriche zu machen?

Quellen

MDR Thüringen – aktuelle Nachrichten vom 8. August 2026: Anteil der Seiteneinsteiger bei neuen Lehrkräften und Zahl unbesetzter Lehrerstellen.