Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie untersucht im Auftrag der Stadt ein etwa 100 Quadratmeter großes Areal hinter dem Rathaus. Bei den ersten freigelegten Strukturen handelt es sich um Teile der Ostwand des mittelalterlichen Gebäudes.

Gebäude gehörte zur zweiten jüdischen Gemeinde

Das Tanzhaus war Teil des Viertels der zweiten mittelalterlichen jüdischen Gemeinde Erfurts. Diese entstand wenige Jahre nach dem Pogrom von 1349 und bestand von 1354 bis zur endgültigen Ausweisung der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1454.

Über die Lage und Nutzung der Gebäude lagen bislang vor allem historische Schriftquellen und Ergebnisse geophysikalischer Untersuchungen vor. Die Grabung soll nun zeigen, welche Teile der damaligen Bebauung tatsächlich im Boden erhalten geblieben sind.

Grabungen laufen bis Mitte September

Die erste Untersuchungsphase begann am 3. August und soll voraussichtlich bis zum 18. September dauern. Gearbeitet wird abschnittsweise, damit die archäologischen Befunde dokumentiert und bewertet werden können.

Nach Abschluss der Arbeiten wird die Grabungsstelle zunächst wieder verfüllt. Der Parkplatz soll anschließend vorübergehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.

Besucherzentrum langfristig geplant

Die Untersuchungen stehen im Zusammenhang mit Plänen für ein Besucher- und Informationszentrum zum jüdisch-mittelalterlichen Erbe Erfurts. Vorgesehen sind unter anderem Ausstellungsflächen, ein Gemeindezentrum und gastronomische Angebote.

Das neue Zentrum soll die bereits zum UNESCO-Welterbe gehörenden Orte stärker miteinander verbinden und die Geschichte des jüdischen Viertels sichtbarer machen. Seit 2023 gehören die Alte Synagoge, die mittelalterliche Mikwe und das Steinerne Haus zur Welterbestätte.

Informationscontainer begleitet die Arbeiten

Während der Grabungen informiert ein Container auf dem Rathausparkplatz über die Geschichte des Geländes und die laufenden Untersuchungen.

Damit sollen Passanten bereits während der Forschungsarbeiten nachvollziehen können, welche Bedeutung das Areal für die jüdische Geschichte der Stadt besitzt.

Die jetzt gefundenen Mauerreste sind ein erster Hinweis darauf, dass weitere Teile der mittelalterlichen Bebauung erhalten geblieben sein könnten. Welche zusätzlichen Erkenntnisse gewonnen werden, dürfte sich im weiteren Verlauf der Ausgrabung zeigen.

Quellen

– Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie: Forschungsgrabung zum jüdisch-mittelalterlichen Erbe in Erfurt
– Landeshauptstadt Erfurt: Archäologische Grabungen auf dem Rathausparkplatz, 3. Juni 2026
– Deutsche Presse-Agentur: Grabungen fördern jüdische Spuren in Erfurt zutage, 5. August 2026