Chemnitz. Smartphones, Elektroautos, Rechenzentren und moderne Waffensysteme haben eines gemeinsam: Viele ihrer Schlüsselkomponenten kommen ohne Seltene Erden kaum aus. Genau über diesen inzwischen auch geopolitisch brisanten Rohstoffmarkt hat der Chemnitzer Politikwissenschaftler Dr. Jakob Kullik ein Buch geschrieben – und damit innerhalb weniger Wochen einen Bestseller gelandet.

Das am 1. Juni 2026 erschienene Sachbuch „Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft“ erreichte nach Angaben der Technischen Universität Chemnitz Platz acht der aktuellen Wirtschaftsbestsellerliste. Kullik arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Internationale Politik der TU Chemnitz und beschäftigt sich seit Jahren mit kritischen Rohstoffen und Versorgungssicherheit.

Ein Chemnitzer Forschungsthema erreicht ein breites Publikum

400 Seiten umfasst das im Quadriga Verlag erschienene Buch, der Verkaufspreis liegt bei 24 Euro. Kullik versucht darin, ein eigentlich hochkomplexes Thema allgemeinverständlich aufzubereiten: Wer kontrolliert die Rohstoffe, ohne die zentrale Zukunftstechnologien nicht funktionieren? Und wie verwundbar macht sich Europa durch seine Abhängigkeit von wenigen Lieferländern?

Kulliks Forschungsschwerpunkte an der TU Chemnitz passen genau dazu. Er arbeitet unter anderem zu Geopolitik und Rohstoffen, kritischen Hightech-Metallen wie Seltenen Erden, Lithium, Kobalt und Indium sowie zur Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas.

„Die breite Öffentlichkeit interessiert sich deshalb zunehmend für die 17 Elemente des Periodensystems, die als Seltene Erden bekannt wurden.“

Kullik verweist darauf, dass diese Stoffe inzwischen ähnlich wie Öl und Gas zu einem politischen Machtinstrument geworden seien.

Warum Seltene Erden plötzlich so wichtig sind

Der Ausdruck klingt zunächst nach einem Spezialthema für Geologen. Tatsächlich stehen Seltene Erden aber am Anfang zahlreicher industrieller Lieferketten.

Sie werden unter anderem benötigt für:

  • Smartphones und andere Elektronik,
  • Elektromotoren und Elektrofahrzeuge,
  • Windkraftanlagen,
  • Rechenzentren,
  • Hochleistungsmagnete,
  • Medizintechnik,
  • militärische Systeme.

Das eigentliche Problem liegt weniger darin, dass die Rohstoffe geologisch extrem selten wären. Entscheidend sind Förderung, Trennung, Verarbeitung und die Konzentration dieser industriellen Fähigkeiten auf wenige Länder.

China besitzt dabei eine besonders starke Stellung. Deutschlandfunk Kultur beschreibt das Land als Weltmarktführer und verweist auf die große westliche Abhängigkeit. Kullik warnt deshalb seit Längerem davor, Versorgung mit kritischen Rohstoffen ausschließlich als wirtschaftliche Frage zu behandeln.

Vom Rohstoff zur politischen Waffe

Genau diese geopolitische Dimension dürfte auch erklären, warum ein Buch über chemische Elemente plötzlich einen Platz auf einer Wirtschaftsbestsellerliste erreicht.

Kulliks Kernthese geht über Rohstoffhandel hinaus: Wenn ein Staat große Teile von Förderung oder Weiterverarbeitung kontrolliert, kann er Lieferungen auch politisch einsetzen. In Interviews sprach der Chemnitzer Wissenschaftler deshalb davon, dass aus einer Ware im Extremfall eine strategische Waffe werden könne.

Auch bei Veranstaltungen zur europäischen Rohstoffversorgung wird Kulliks Buch inzwischen als Grundlage für die Diskussion über Chinas Marktmacht, europäische Abhängigkeiten und mögliche Gegenstrategien genutzt.

Damit berührt das Thema mehrere politische Großfragen gleichzeitig:

  • Wie abhängig darf Deutschland von China sein?
  • Welche Rohstoffe müssen künftig strategisch bevorratet werden?
  • Braucht Europa eigene Förderung und Verarbeitung?
  • Wie werden Auto-, Energie- und Rüstungsindustrie abgesichert?
  • Welche Kosten ist Versorgungssicherheit wert?

Platz acht nach nur wenigen Wochen

Nach Angaben der TU Chemnitz erreichte Kulliks Buch innerhalb eines Monats Platz acht der von BuchMarkt ermittelten Wirtschaftsbestsellerliste. BuchMarkt koordiniert die monatlichen Erhebungszeiträume für entsprechende Bestsellerlisten in den SPIEGEL-Medien und im manager magazin.

Die persönliche Seite Kulliks an der TU führt das Buch ebenfalls mit Platz acht in der Kategorie Wirtschaftsbücher im Juli 2026.

Das Medieninteresse begann bereits unmittelbar nach Erscheinen. Neben Interviews und Rezensionen wurde Kullik auch zu Fachgesprächen über kritische Rohstoffe eingeladen. Er selbst vermutet, dass die öffentliche Berichterstattung die Verkaufszahlen zusätzlich angeschoben hat.

„Ich bin gespannt, ob das Buch in der Bestseller-Liste in den kommenden Monaten noch weiter nach oben klettert.“

Für die TU Chemnitz ist der Erfolg zugleich ein Beispiel dafür, wie ein langjähriges Forschungsgebiet plötzlich unmittelbar in die öffentliche Debatte rücken kann.

Chemnitz forscht an einer strategischen Frage Europas

Dass ausgerechnet ein Wissenschaftler aus Chemnitz dieses Thema einem größeren Publikum erklärt, ist auch regional bemerkenswert. Sachsen verfügt selbst über eine lange Bergbau- und Rohstofftradition. Gleichzeitig gewinnt die Frage nach europäischen Vorkommen von Lithium, Seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen wieder an Bedeutung.

Kulliks Buch ist deshalb weniger klassische Wirtschaftsliteratur als eine Beschreibung eines neuen globalen Machtkampfes: Nicht nur Energie, Daten und Halbleiter entscheiden über wirtschaftliche Stärke – sondern zunehmend auch der Zugang zu den Materialien, aus denen moderne Technik überhaupt gebaut werden kann.

Dass ein solches Thema innerhalb weniger Wochen in einer Bestsellerliste landet, zeigt vor allem eines: Rohstoffpolitik ist längst keine Nischendebatte mehr.

Bibliografische Angaben

Jakob Kullik: Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft
Quadriga, 2026
400 Seiten
24 Euro
ISBN 978-3-86995-167-6

Quellen und Datenbasis

  • Technische Universität Chemnitz, Presseinformation zu Jakob Kulliks Bestseller-Erfolg, Juli 2026.
  • TU Chemnitz, Profil Dr. Jakob Kullik und Forschungsschwerpunkte.
  • BuchMarkt, Veröffentlichungstermine und Erhebungszeiträume der Wirtschaftsbestsellerlisten 2026.
  • Konrad-Adenauer-Stiftung, Fachgespräch „Europas unterschätzte Abhängigkeit: Kritische Rohstoffe als Machtfaktor“, Juni 2026.